Poetisches rund ums Orgelwesen

“Gott ist ein Organist,
wir sind sein Orgelwerk,
Sein Geist bläst jedem ein
und gibt zum Ton die Stärk´”
Angelus Silesius

Rätsel
Die Kirche ist mein Aufenthalt,
hier wohn´ ich, ohne es zu wissen.
Doch, eh noch der Gesang erschallt
tritt man mich schon mit Füßen.
Ich schreye laut, doch red´ ich nicht,
und gleichwohl kann man mich verstehen.
Ich lehre manchen seine Pflicht
und kann nicht hören und nicht sehen.
Die Menschen gaben mir den Leib;
der Wind gibt mir das Leben;
ich binn nicht Mann, ich bin nicht Weib;
doch kann ich beiden mich ergeben.
Johann Nikolaus Forkel

Gedicht
Wie Herzblut springt es aus den Orgeltönen,
und strömende Musik durchbraust den Raum
des Riesendoms. Die Gänge bergen kaum
die Gnadenflut und waten tief in Tönen.

Der Wölbung Bogen tragen stolz das Dröhnen,
und jauchzend sammelt sich am Orgelsaum
die Seligkeit aus Gottes Brust. Ein Traum !
Erlösung wird zur Wahrheit in den Tönen
Aus der Predigt zur Orgelweihe von Pfarrer Langsch,
Zeitschrift für Kirchenmusik 1954



Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen manifestieren.
Charles-Marie Widor